Kategorie: Ergebnisse

Neu erschienen: Albertus Magnus: De unitate intellectus. Über die Einzigkeit des Intellekts

Albertus Magnus (1200–1280) verdankt seinen Namen seiner weitreichenenden Forschungshaltung, deren Ergebnisse er in zahlreichen Schriften festhielt. Die erstmals ins Deutsche übersetzte Schrift ›De unitate intellectus‹ markiert einen entscheidenden wissenschaftsgeschichtlichen Entwicklungsschritt zu einer Psychologie seelischer Individualität. Die aristotelische Tradition der »Seele als Form des Leibes« berührt dabei ein Organverständnis, das erst nach den hirnphysiologischen und genetischen Diskursen der letzten Jahre umfassend gewürdigt werden kann. Der Begriffsrealismus Alberts des Großen, in seiner Zeit anthropologisch-philosophische »Spitzenforschung«, enthält erst heute wirklich zukunftsfähige Perspektiven menschlichen Selbstverständnisses und geistiger Selbstaktivierung.

Geisteswissenschaftliche Merkmale der Schwelle

Das Bewusstsein für individuelle und kollektive Grenzsituationen hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Die innere wie die äußere Wirklichkeit zwingt zu der Anerkennung der Tatsache, dass Lebensführung und Seelenkonstellation an eine Grenze gekommen sind, deren «Jenseits» sich aus Erfahrungen der Vergangenheit allein nicht mehr erschließen lässt. Wenn aber die Grenze selbst und dasjenige, was hinter der Grenze liegt, als Unbekanntes bewusst erlebt wird, so kann aus dem Grenzerlebnis durchaus eine Schwellenerfahrung werden.

DIE KUNST WIRD DIE ICH-FORM DER WIRKLICHKEIT

Überarbeitete Nachschrift eines frei gehaltenen Vortrags anlässlich eines Kolloquiums zur Farbe in der Delos- Forschungsstelle (Mai 2014).
Mit Überlegungen zu neuen Empfindungsräumen in den vergangenen Jahren stellte sich zunehmend die Frage nach der Bedeutung der Farbe im ästhetischen Erleben. Die Farbe bezeichnet die Grenze zwischen Bewusstsein und Materie, also den Übergang von der Empfindung zur Substanz. Aber gleichzeitig wird sie verortet in der Materie oder als Materie, meistens bekanntlich als Oberflächenphänomen.

Keine Inspiration ohne Depression

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts, insbesondere in seinem letzten Drittel,  hat sich eine meist unbemerkte Veränderung vollzogen: die menschlichen Empfindungen sind andere geworden; sie haben eine größere Ich-Nähe entwickelt. Man kann heute den Begriff der Bewusstseinsseele auch unter dem Aspekt betrachten, dass sich die Wirklichkeit des Ich immer stärker in Empfindung und Gefühl ausprägt. Es lassen sich dabei zwei Gefühlsschichten differenzieren, die Empfindung vor dem Denken und die Empfindung nach bzw. hinter dem Denken.[1] Die Empfindung hinter dem Denken ist zunächst  meist unscheinbar, filigran, nicht spektakulär. Sie drängt sich nicht auf, muss bemerkt werden, um nicht wieder zu verschwinden.

Mischung und Entmischung der Elemente

Die spürbar veränderten Umweltwirkungen der vergangenen Jahre bringen die Frage nach den Elementarkräften wie von außen an den Menschen heran. Gleichsam mit Naturnotwendigkeit drängt sich das Problem auf, warum sich die Temperaturen verändern (das Element der Wärme), warum der Wind stürmischer zu werden scheint (das Luftelement), warum Niederschläge in lange nicht gekannter Vehemenz auftreten (das Element des Wassers). Es wird-im Sinne des ökologischen Bewusstseins – bereits öffentlich erörtert, inwiefern der Mensch für diese elementaren Entwicklungen verantwortlich ist.